Impressionen der RSV-Hilfsaktion in den Hochwassergebieten

Mittwoch 21.07.2021, 2. Tag unserer Hilfsaktion: Wir haben uns entschieden ins Ahrtal zum Helfer-Bus Treffpunkt zu fahren, da wir gehört habe, das es dort so schlimm war, dass bisher nur wenige Helfer:innen dort reinkonnten. Als wir bei der Shuttle Station ankamen trafen wir dort schon um die 100 Menschen an, die von nur 2 Leuten koordiniert wurden und merkten sehr schnell, dass unser 9er Bus als Shuttle sehr wertvoll sein könnte. Und so wurde der RSV-Bus Shuttle Nr.19 beim Helfer Shuttle Ahrtal (helfer-shuttle.de).
• Die Straßen auf dem Weg sind voller Menschen und ständig fahren Bundeswehr, Feuerwehr, Polizei vorbei. Wir fahren nach Altenburg, da brauchen sie sehr viel Hilfe. Große Maschinen stehen überall rum, Hubschrauber fliegen ständig über die Ortschaften drüber. Wir wissen nicht wofür die alle sind, aber manche bringen definitiv Vorräte und Hilfsgüter. Wir hören dass manche Dörfer immer noch abgeschnitten sind, man kann nur zu Fuß dahin. Mit großer Dringlichkeit wird daran gearbeitet, einen Weg für die Maschinen zu bauen, da man Angst wegen der angesagten Unwetter am Wochenende hat.
• Ankommen, Helfer:innen rauslassen, zurückfahren, mehr Menschen holen.
• Zwischenzeitlich fängt unsere Truppe an ein komplettes Haus auszuraümen. Das Wasser war sogar auf der zweiten Etage und das Haus war noch nicht mal direkt neben dem Fluß. Alles, alles aus dem Haus muss raus. Die Einwohner wünschen sich, dass wir die Augen offen halten nach einem vermissten Goldketchen. Der Schlamm ist bis zu 30cm dick.
• Unser Shuttle Fahrer schafft es zu uns – die Gruppe ist schon total voller Matsch und er hat noch sein nagelneues weißes T-Shirt an. Jeder macht sich lustig über ihn… die kleinen Sachen helfen die Stimmung hoch zu halten.
• Mittagessen beim Helfer:innen Zelt, da gibt’s auch eine „Klamotten Abteilung“, falls deine Schuhe, oder Hose, oder alles kaputt geht. Einige von uns haben neue Gummistiefel geholt.
• Wir suchen weiter Arbeit. Ein Feuerwehrmann aus Berlin hält uns an…der braucht viele Leute und mit unserer 10er Gruppe sind wir perfekt. Ein Haus muss von Schlamm befreit werden. Es ist strukturell stabil, aber man merkt dass die Böden und das Dach stark unter Druck stehen.
• Die Feuerwehr macht ein großes Loch in den Balkon, um den Schlamm, der auf den Balkon 50cm dick war direkt da weg zu machen. Zusammen mit der Familie, die dort wohnte und noch einem anderen Helfertrupp arbeiten wir in einer Menschenkette fünf Stunden um den ganzen Schlamm erstmal vor das Haus und dann auf die Straße zu befördern. Wir denken wir sollten den Schlamm woanders hin tun, aber es gibt keine andere Möglichkeit als die Straße. Das Haus war bis zum Dach unter Wasser. Die Einwohner haben ein Loch durch das Dach machen müssen, um zur Sicherheit auf das Dach zu kommen. Da haben sie dann die ganze Nacht und den nächsten Morgen verbracht, 15 Stunden sitzend auf dem Dachgiebel.
• Die Hausbewohnern sind unendlich dankbar und gut gelaunt. Man merkt wie es sie am Herzen greift, dass so viele Menschen mit arbeiten. Wir machen Witze mit der Frau, über wie sie ihre Strumpfhosen organisiert hat – auch die müssen aus der Schublade geräumt werden…das Haus ist am Ende des Tages komplett leer.
• 3 Flasche Sekt hat unsere neue Freundin aufbewahrt, dekoriert mit viel Schlamm…wir finden das ist ein gutes Ende für diesen Tag. Ein Freundschaft hat sich gebildet…Nummern und Fotos werden ausgetauscht, morgen kommen wir wieder um den Keller auszuräumen. Wir fühlen uns wirklich geehrt, dass wir dieser Familien helfen dürfen.
• Keiner hat den Tag geschafft, ohne ein paar mal feuchte Augen zu kriegen. Es ist wirklich unfassbar was da passiert ist, aber was wir alle merken, und was definitiv tief berührend ist, ist der riesige Zusammenhalt der Menschen.

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