Kölsche Mädcher sind stolze und glückliche Finalistinnen

Vor einer stattlichen Kulisse im heimischen Rugby Park besiegte der ASV Köln den Heidelberger RK mit 20:19 (15:7) und steht erstmals in der Vereinshistorie im Finale der Deutschen 15er-Rugby-Meisterschaften. Das Team vom ASV Trainergespann Marco Sermersheim/Morne Laubscher feierte im Halbfinale  der Frauenbundesliga gegen die amtierenden 15er-Meisterinnen aus Heidelberg einen denkbar knappen, aber letztlich verdienten Sieg und beendete damit die in der Saison 2009/10 begonnene, beeindruckende Meisterschaftsserie der Zebras.

Bei herrlichem Frühlingswetter legten die Kölsche Mädcher zu Beginn der Partie vor 182 Zuschauern los, wie die Feuerwehr. Insbesondere über das druckvolle Sturmspiel rollte eine Angriffswelle nach dem anderen in Richtung HRK Malfeld.  Nach dem ersten Eindruck wurde klar, die Kölnerinnen wollten die 0:40-Pleite vor 2 Wochen beim HRK ganz schnell gerade bügeln.  Bereits nach 4 Minuten hatte Mette Zimmat auf der Außenposition ein Zuspiel von Lisa Kropp aufgenommen und lief die Seitenlinie entlang in die gegnerische 22, wo sie zunächst getackelt wurde, jedoch mit Ball wieder aufstehen und weitere Meter gut machte, ehe die ASV Stürmerinnen sofort präsent waren um den Ballbesitz im offenen zu verteidigten. Schließlich tauchte ASV Flänkerin Melissa Paul mit viel Power zum Versuch ins HRK Malfeld ein. Die Erhöhung aus halblinker Position gelang Dana Kleine Grefe mit einem präzisen Kick zum 7:0. Gleich nach dem Ankick benötigte Köln nur wenige Phasen um sich erneut in der gegnerischen 22 festzusetzen. Nach einer gewonnenen Gasse und einer Abseitsstellung ließ Referee Marc Rees lange Vorteil laufen und der Ball wurde in den Kölner Reihen von einer Seite zur anderen und wieder zurück durchgespielt, ehe eine Überzahlsituation entstand und ASV Kapitänin Lisa Kropp den Ball mit einem weiten Pass über die Centerspielerin hinweg zu Mette Zimmat spielte.   Die Kölner Außenspielerin Zimmat, die im Vorjahr mit INEF Barcelona die spanische Meisterschaft feierte, hatte wenig Mühe ins Malfeld zum 12:0 (11.Spielminute) einzulaufen.  In der Folge dominierten die Gastgeberinnen weiter die Begegnung, jedoch versäumten sie mit zahlreichen überhasteten Aktionen, weitere Punkte nachzulegen.  Die in dieser Phase ungenutzten Einlaufmöglichkeiten sollten sich später rächen.  Zunächst jedoch lief die 23. Minute als die Gäste zum ersten Mal eine Stippvisite in die Kölner 22 machten und einen Straftritt in die Gasse kickten. Allerdings gewann Köln die Gasse und konnte sich gleich aus der gefährlichen Situation befreien. Wenige Minuten später nutzte eine Heidelbergerin einen erneuten Ballverlust im Spielaufbau aus und lief alleine auf ASV Fullback Robin Callaghan zu. Die Kanadierin im bordeaux-weißen Trikot konnte diesen Durchbruch mit einem sauberen Tackle abwehren.  Etwas Ungewöhnliches im Damenrugby – insbesondere im ASV Team folgte in der 28.Spielminute. Ein Straftritt wurde gut 25 Meter vor den Stangen gesetzt und nicht wie üblich in die Gasse gekickt oder noch häufiger auch gleich gespielt. Den weiten Kick verwandelte Lisa Kropp zur 15:0-Führung ohne zu ahnen, dass am Ende diese 3 Punkte spielentscheidend werden würden. Trotz der herausgespielten Führung und klaren Feldvorteilen verlor Köln mit zunehmender Spieldauer zum Ende des ersten Durchgangs den Zugriff und die Zebras kamen besser ins Spiel. Möglichweise waren mehrere Spielunterbrechungen wegen Verletzungen und Wasserpausen nicht förderlich für das Spiel der Rheinländerinnen. Jedenfalls kamen die Kurpfälzerinnen kurz vor dem Seitenwechsel zum dritten Mal in die 22er-Zone des ASV  und nutzten diesmal einen Straftritt auf der 5-Meter-Linie um den Ball neben den Malstangen abzulegen. Mit der erfolgreichen Erhöhung zum 15:7 ging es in die Halbzeitpause.   Zu Beginn der zweiten Halbzeit bot sich dem ASV erneut eine gute Möglichkeit die Führung auszubauen. Die Kölner Zweite-Reihe-Spielerin Janina Hanßen startete einen Sololauf aus der eigenen Hälfte und wurde nur wenige Meter vor der Mallinie an der Eckfahne durch die HRK Schlussspielerin gestoppt. Besser lief es auf der anderen Seite für die Serienmeisterinnen als ein Konter in der 50.Minute zum 15:12-Anschlussversuch an der Eckfahne abgelegt werden konnte.  Mit Ausnahme dieser geschickt genutzten Kontermöglichkeit hatte Heidelberg in der ersten Hälfte des zweiten Durchgangs keine nennenswerten Aktionen in der Offensive, stand aber gut in der Verteidigung. Erst ab der 60.Spielminute zeichnete sich das Spiel der Titelverteidigerinnen mit mehr Druck und Offensivdrang aus und das mit La-Ola-Wellen für gute Stimmung sorgende Publikum sah die Heimmannschaft zunehmend in Bedrängnis geraten. Und es kam, wie es gegen meisterschaftserfahrene Teams kommen kann: die Begegnung schien in der 70.Minute zu kippen als die Heidelbergerinnen nach einem Versuch unter die Stangen und der anschließender Erhöhung zum 15:19 dieses enge Spiel zu ihren Vorteil drehten.  In der turbulenten Schlussphase schien der HRK dem Kunststück näher, zum neunten Mal in Folge das DM-Finale zu erreichen.  Die Kölsche Mädcher hingegen hatten inzwischen zwei ihrer Leistungsträgerinnen im Sturm, Johanna Metternich und Carmela Welge verletzungsbedingt ausgewechselt und zeigten Moral als der Finaleinzug verpasst schien.  Die 77. Minute war bereits angebrochen als Mette Zimmat ein Zuspiel in der eigenen Hälfte mittig aufnahm und einen sehenswerten Spurt über das halbe Feld hinlegte, ehe sie auf Höhe der Eckfahne den Ball im gegnerischen Malfeld zum lautstark umjubelten Versuch ablegte. Die knappe 20:19 Führung musste noch vier Minuten mit allerletztem Einsatz verteidigt werden. Dann erlöste der Abpfiff die total erschöpften Mädcher und ihren gemütsmäßig nicht weniger erschöpften Anhang.

Am Ende glücklich, aber ganz der Totalrugby-Prognose entsprechend, gewann Köln in der Schlussphase knapp und verhindert damit ein erneutes Stadtderby im Endspiel.  Bereits am nächsten Samstag findet das Endspiel zwischen dem SC Neuenheim und ASV Köln in Heidelberg statt. Dort erwartet die Kölsche Mädcher ein ganz heißer Tanz gegen die Titelaspirantinnen, die ihr Halbfinale mit 101:5 gegen St.Pauli abhakten.

Für den ASV spielten:

Schüller, Welge (56′ Höcker), Howitz (75′ Henke), Hanßen, Bembennek, Paul, Titgemeyer, Metternich (60′ Gresser), Lohmann, Kleine-Grefe, Zimmat, Kropp, Naumann, Fischer, Callaghan.

Ersatz: Salim, Veysseix, Antweiler, Bringmann, Kika Metternich.

Titelfoto: Hans Günter Fuß